5. August 2024
Aktualisiert: 31. Oktober 2026
Blutgruppen und Ernährung – individuelle Wege zu Gesundheit und Fitness
Was unsere Blutgruppe über uns verrät und weshalb eine individuelle Ernährung mehr mit Biologie als mit Diäten zu tun hat.
Blutgruppe und Fitness? Genau!
Unser Blut kann mehr über uns verraten, als die meisten Menschen vermuten. Blutgruppen spielen eine Rolle im Immunsystem, stehen mit bestimmten Krankheitsrisiken in Verbindung und gehören zu unserer genetischen Ausstattung.
Doch was haben Blutgruppen mit Ernährung, Verdauung und körperlicher Leistungsfähigkeit zu tun?
Eine Frage, mit der ich mich seit mehr als 20 Jahren in meiner Arbeit als Personal Trainerin beschäftige.
In dieser Zeit habe ich Hunderte Menschen dabei begleitet, ihre Ernährung zu optimieren, körperliche Beschwerden zu reduzieren und wieder ein gutes Gefühl für ihren eigenen Körper zu entwickeln.
Ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit ist die blutgruppenorientierte Ernährung nach Dr. Peter D'Adamo.
Dabei geht es nicht um die nächste Diät. Es geht darum, die individuellen Voraussetzungen eines Menschen besser zu verstehen und eine Ernährung zu finden, die zu seinem Organismus, seinen Lebensgewohnheiten und seinen persönlichen Vorlieben passt.
Denn was dem einen Menschen ausgezeichnet bekommt, kann dem anderen erhebliche Beschwerden bereiten.
Warum das so ist, welche Rolle unsere Blutgruppen dabei spielen und welche interessanten Erkenntnisse die moderne Mikrobiomforschung liefert, möchte ich hier erklären.
Von: Dagmar J. Braniek
Was sind Blutgruppen?
Blutgruppen bezeichnen genetisch bestimmte Merkmale unseres Blutes. Besonders bekannt ist das AB0-System, das vier Hauptblutgruppen unterscheidet: 0, A, B und AB.
Die Unterschiede beruhen auf bestimmten Strukturen auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen, den sogenannten Antigenen.
Bei den AB0-Antigenen handelt es sich um spezifische Zuckerstrukturen, die durch genetisch gesteuerte Prozesse gebildet werden.
Je nachdem, welche dieser Merkmale vorhanden sind, gehören wir einer der vier Blutgruppen an.
Daneben kennen wir das Rhesus-System. Daher tragen Blutgruppenbezeichnungen zusätzlich ein Plus- oder Minuszeichen.
Die Bedeutung dieser Unterschiede ist in der Transfusionsmedizin offensichtlich. Wer Blut benötigt, kann nicht beliebig das Blut eines anderen Menschen erhalten. Unser Immunsystem reagiert auf bestimmte fremde Antigene.
Interessant ist jedoch, dass sich Blutgruppenmerkmale nicht ausschließlich auf den roten Blutkörperchen finden.
Bestimmte Blutgruppenantigene kommen auch auf anderen Körperzellen sowie in Schleimhäuten und Körpersekreten vor.
Ein Umstand, der für das Verständnis unserer inneren biologischen Landschaft zunehmend interessant wird.
Wie häufig kommen die verschiedenen Blutgruppen vor?
Nach Angaben der DRK-Blutspendedienste verteilen sich die vier Hauptblutgruppen in Deutschland ungefähr folgendermaßen:
Blutgruppe A: 43 Prozent
Blutgruppe 0: 41 Prozent
Blutgruppe B: 11 Prozent
Blutgruppe AB: 5 Prozent
Etwa 85 Prozent der Bevölkerung sind Rhesus-positiv, ungefähr 15 Prozent Rhesus-negativ.
Die Verteilung unterscheidet sich weltweit zum Teil erheblich. Darin spiegeln sich auch die unterschiedlichen genetischen Entwicklungen menschlicher Populationen wider.
Wie beeinflussen Blutgruppen unseren Körper?
Das unsere Blutgruppe für den Organismus von Bedeutung ist, steht außer Frage.
Besonders deutlich wird dies bei der Immunabwehr und in der Transfusionsmedizin.
Darüber hinaus zeigen epidemiologische Untersuchungen Zusammenhänge zwischen bestimmten Blutgruppen und unterschiedlichen Erkrankungsrisiken.
Beispielsweise sind Unterschiede bei der Blutgerinnung, bei bestimmten Infektionskrankheiten und bei einigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschrieben.
Die Blutgruppe ist dabei selbstverständlich nicht allein entscheidend.
Alter, Lebensweise, Bewegung, Ernährung und viele weitere Faktoren beeinflussen unsere Gesundheit.
Genau dieses Zusammenspiel ist interessant: Unsere genetische Ausstattung bildet einen Teil unserer biologischen Voraussetzungen. Wie wir leben, bestimmt mit, was daraus wird.
Blutgruppenernährung – keine Diät, sondern eine Ernährungsweise
Der Begriff „Blutgruppendiät“ führt häufig zu Missverständnissen.
Das englische Wort diet bezeichnet zunächst einmal die Ernährungsweise eines Menschen.
Im Deutschen verbinden wir mit einer Diät dagegen meist Gewichtsreduktion, Einschränkung und Verzicht.
Dabei verfolgt die blutgruppenorientierte Ernährung einen anderen Ansatz.
Sie beschäftigt sich mit der Auswahl und Bekömmlichkeit natürlicher Lebensmittel und ihrer möglichen Übereinstimmung mit individuellen biologischen Voraussetzungen.
Je nach Blutgruppe bietet das von mir verwendete Modell eine Auswahl von rund 150 Lebensmitteln.
Dazu gehören alltägliche Lebensmittel, die sich frisch, regional und saisonal einkaufen lassen.
Weder braucht es exotische Zutaten noch teure Nahrungsergänzungsmittel oder besondere Diätprodukte.
Und niemand muss plötzlich Lebensmittel essen, die er überhaupt nicht mag.
Persönliche Vorlieben, Abneigungen, Gewohnheiten und die individuelle Verdauung sind wesentliche Bestandteile meiner Ernährungsberatung.
Schließlich soll eine Ernährungsweise nicht nur auf dem Papier funktionieren, sondern im Alltag.
Es macht wenig Sinn, jemandem ein Lebensmittel zu empfehlen, das er seit seiner Kindheit ablehnt oder nach dessen Genuss er regelmäßig Beschwerden entwickelt.
Ebenso wenig muss ein gut verträgliches Lieblingsgericht vom Speiseplan verschwinden, nur weil eine allgemeine Ernährungsempfehlung etwas anderes vorsieht.
Für mich ist das ein wesentlicher Unterschied zu vielen kurzfristigen Diätprogrammen.
Die blutgruppenorientierte Ernährung bietet einen Rahmen, innerhalb dessen wir individuelle Lösungen entwickeln können.
Und Gewichtsreduktion?
Sie kann eine erfreuliche Begleiterscheinung sein. Sie ist aber keineswegs der eigentliche Zweck dieser Ernährungsweise.
Was sagt die Wissenschaft zur Blutgruppenernährung?
Wer sich mit Ernährungsmodellen beschäftigt, begegnet schnell der Frage nach wissenschaftlichen Studien.
Das ist berechtigt. Allerdings lohnt es sich, genau hinzusehen, welche Fragestellung eine Untersuchung tatsächlich beantwortet.
Die Blutgruppenernährung wird häufig wie eine klassische Gewichtsreduktionsdiät betrachtet.
Dabei steht für mich etwas anderes im Vordergrund: die individuelle Bekömmlichkeit, die physiologischen Voraussetzungen und eine langfristig praktikable Ernährungsweise.
Bislang konnte nicht überzeugend nachgewiesen werden, dass eine Ernährung allein aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten AB0-Blutgruppe grundsätzlich bessere gesundheitliche Ergebnisse erzielt.
Dass Menschen sehr unterschiedlich auf Lebensmittel reagieren, ist dagegen unbestritten. Die Ursachen dafür sind vielfältig.
Gerade deshalb interessieren mich neue Forschungsarbeiten, die sich mit den genetischen Voraussetzungen unserer Verdauung und der Zusammensetzung des Darmmikrobioms beschäftigen.
Neue Forschung 2026: Blutgruppen, Sekretorstatus und Darmmikrobiom
Im Februar 2026 erschien in der Fachzeitschrift Nature Genetics eine bemerkenswerte Untersuchung.
Wissenschaftler um Koen F. Dekkers analysierten genetische Daten und Darmmikrobiomprofile von 16.017 Erwachsenen aus Schweden. Weitere Daten von 12.652 Menschen aus Norwegen dienten zur Überprüfung der Ergebnisse.
Dabei bestätigten die Forscher unter anderem Zusammenhänge zwischen der Zusammensetzung bestimmter Darmbakterien und Genvarianten des AB0-Blutgruppensystems sowie des FUT2-Gens.
Das FUT2-Gen beeinflusst den sogenannten Sekretorstatus.
Menschen unterscheiden sich nämlich nicht nur durch ihre Blutgruppe, sondern auch darin, ob bestimmte Blutgruppenmerkmale in Körpersekreten und Schleimschichten auftreten.
Man spricht von Sekretoren und Nichtsekretoren.
Diese Unterscheidung spielt auch in Peter D'Adamos weiterentwickeltem Ernährungskonzept eine Rolle. In seinem Buch Live Right 4 Your Type aus dem Jahr 2001 berücksichtigt er den Sekretorstatus bei der Einordnung von Lebensmitteln.
Die aktuelle Untersuchung zeigt nun, dass genetische Unterschiede im AB0-System und beim Sekretorstatus tatsächlich mit der Häufigkeit bestimmter Darmbakterien zusammenhängen.
Besonders interessant sind Beobachtungen zu einem Darmbakterium namens Mediterraneibacter torques, dessen Vorkommen bei Menschen mit A-Blutgruppenantigen auch mit dem Sekretorstatus in Verbindung steht.
Unsere genetischen Voraussetzungen beeinflussen also nicht nur die Eigenschaften unserer Körperzellen, sondern stehen auch mit der Zusammensetzung unserer inneren mikrobiellen Landschaft in Zusammenhang.
Die Untersuchung prüfte keine konkreten Ernährungspläne nach D'Adamo. Sie liefert jedoch wertvolle Erkenntnisse über biologische Zusammenhänge, die für die weitere Erforschung individueller Ernährung interessant sind.
Für mich ist das ein guter Grund, diesen Forschungsbereich aufmerksam zu verfolgen.
Für alle, die tiefer einsteigen möchten:
Dekkers, K. F. et al. (2026): Genome-wide association analyses highlight the role of the intestinal molecular environment in human gut microbiota variation.
Nature Genetics, Band 58, Seiten 540–549.
Originalstudie: DOI 10.1038/s41588-026-02512-2
Welche Erfahrungen habe ich in über 20 Jahren Personal Training gesammelt?
Die blutgruppenorientierte Ernährung begleitet meine Arbeit seit mehr als zwei Jahrzehnten.
In dieser Zeit habe ich mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammengearbeitet.
Mit Unternehmerinnen und Unternehmern, beruflich stark beanspruchten Führungskräften, sportlich aktiven Menschen und Personen, die nach zahlreichen Ernährungsversuchen einfach wieder unbeschwert essen möchten.
Viele kommen mit einer beeindruckenden Sammlung vermeintlich gesunder Gewohnheiten zu mir.
Morgens Vollkornmüsli, mittags ein großer Salat, zwischendurch ein grüner Smoothie und abends möglichst wenig Kohlenhydrate.
Auf dem Papier sieht das hervorragend aus.
Nur leider interessiert sich der Verdauungstrakt nicht für die guten Absichten seines Besitzers.
Blähungen, ein unangenehmes Völlegefühl, Müdigkeit oder ein ständig wechselndes Hungergefühl können den Alltag trotzdem begleiten.
Der Körper erzählt seine eigene Geschichte
Am Anfang unserer Zusammenarbeit interessiert mich deshalb nicht nur, was ein Mensch isst.
Ich möchte wissen, welche Lebensmittel er bevorzugt, welche er instinktiv meidet und wie er sich nach den Mahlzeiten fühlt.
Ebenso wichtig sind Verdauung, Schlaf, körperliche Belastung und die Anforderungen des täglichen Lebens.
Die Blutgruppe kann dabei eine zusätzliche Orientierung bieten.
Aus den Informationen entsteht nach und nach ein persönliches Bild.
Denn zwei Menschen können dasselbe Ziel verfolgen und dennoch ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen.
Unterschiedliche Blutgruppen – unterschiedliche Erfahrungen
In meiner Praxis habe ich beispielsweise Menschen mit Blutgruppe 0 begleitet, die sich jahrelang sehr vollkornbetont ernährten und unter erheblichen Verdauungsbeschwerden litten.
Nach einer individuell abgestimmten Ernährungsumstellung berichteten einige von einer deutlich verbesserten Verdauung und mehr Wohlbefinden.
Bei anderen Klienten, darunter Menschen mit Blutgruppe A, erwies sich eine stärker pflanzenbetonte Ernährung als gut bekömmlich.
Solche Beobachtungen sind ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit.
Sie ersetzen keine wissenschaftlichen Wirksamkeitsstudien. Sie helfen mir aber, die Reaktionen eines Menschen aufmerksam zu beobachten und die Ernährung nicht an allgemeinen Regeln, sondern an seinen tatsächlichen Bedürfnissen auszurichten.
Es geht nicht darum, möglichst viele Lebensmittel zu streichen.
Es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen und innerhalb einer großen Auswahl die individuell passende Kombination zu finden.
Blutgruppen und Fitness – wie passt das zusammen?
Peter D'Adamo bezieht in seinem Modell nicht nur die Ernährung, sondern auch unterschiedliche Bewegungsformen ein.
Aus meiner langjährigen Trainingspraxis weiß ich, wie verschieden Menschen auf körperliche Belastung reagieren.
Manche lieben intensive Trainingseinheiten, bei denen sie sich richtig fordern können.
Andere profitieren stärker von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen körperlicher Aktivität, gezieltem Krafttraining und Regeneration.
Dabei spielen Trainingszustand, Stressbelastung, Schlaf und individuelle körperliche Voraussetzungen eine wichtige Rolle.
Genau diese Faktoren berücksichtige ich bei der Gestaltung eines persönlichen Trainingsprogramms.
Denn auch Bewegung sollte zum Menschen passen.
Wer beruflich unter hoher Anspannung steht, benötigt nicht zwangsläufig noch eine zusätzliche Portion Leistungsdruck in seiner Freizeit.
Manchmal ist ein Spaziergang durch die Natur der sinnvollere Trainingsimpuls als die nächste erschöpfende Einheit.
Ernährung, Bewegung und Regeneration gehören zusammen.
Erst ihre individuelle Abstimmung macht daraus ein Konzept, das sich langfristig in den Alltag integrieren lässt.
Die vier Blutgruppen – vier unterschiedliche Ausgangspunkte
Peter D'Adamo bezieht in seinem Modell nicht nur die Ernährung, sondern auch unterschiedliche Bewegungsformen ein.
Aus meiner langjährigen Trainingspraxis weiß ich, wie verschieden Menschen auf körperliche Belastung reagieren.
Manche lieben intensive Trainingseinheiten, bei denen sie sich richtig fordern können.
Andere profitieren stärker von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen körperlicher Aktivität, gezieltem Krafttraining und Regeneration.
Dabei spielen Trainingszustand, Stressbelastung, Schlaf und individuelle körperliche Voraussetzungen eine wichtige Rolle.
Genau diese Faktoren berücksichtige ich bei der Gestaltung eines persönlichen Trainingsprogramms.
Denn auch Bewegung sollte zum Menschen passen.
Wer beruflich unter hoher Anspannung steht, benötigt nicht zwangsläufig noch eine zusätzliche Portion Leistungsdruck in seiner Freizeit.
Manchmal ist ein Spaziergang durch die Natur der sinnvollere Trainingsimpuls als die nächste erschöpfende Einheit.
Ernährung, Bewegung und Regeneration gehören zusammen.
Erst ihre individuelle Abstimmung macht daraus ein Konzept, das sich langfristig in den Alltag integrieren lässt.
Über die Autorin
Dagmar J. Braniek
Expertin für „Schöner wohnen im eigenen Körper“
Autorin · Consultant · Personal Trainerin
Seit über 20 Jahren begleitet Dagmar J. Braniek Frauen dabei, die Signale ihres Körpers zu verstehen und Gesundheit selbstbestimmt zu gestalten. Sie verbindet Physiologie, Ernährung, Bewegung und mentale Klarheit zu einem individuellen, alltagstauglichen Ansatz.
Ihr Leitgedanke: Wer den eigenen Körper versteht, kann bessere Entscheidungen für sich treffen.